Es ist der 10. Oktober 2020. Detlef erstellt die Whatsapp – Gruppe „Bergeraff is jood“. Die Idee eine weitere Radtour zu machen geisterte schon einige Zeit herum. Beim Skat hatten wir uns nun dazu entschlossen. Andreas hatte immer wieder tolle Posts von seiner Rad-Tour über die Alpen gemacht und war sofort mit von der Partie. Damit waren wir zu viert, Detlef, Mark, Andreas und Frank. Bis ein Termin gefunden war verging noch einige Zeit und das Ziel war noch bis kurz vor dem Start unklar. Mark hatte eine Tour entlang des Dortmund-Ems-Kanal vorgeschlagen, aber die startete in Dortmund. Wir entschieden einfach bei den Eltern von Andreas in Moitzfeld zu starten und den Rhein in Richtung Holland entlang zu radeln.

Wir starteten am 07. .Juli 2021 und hatten vor am 13. oder 14. zurück zu sein. Das Foto hat Sabine, die Schwester von Andreas, vor dem Start gemacht. Man beachte die lässig eingesteckte Wasserflasche an Detlef´s Tasche. Wirklich erstaunlich was so eine Flasche alles aushält.


Eine Karte, die ich schon Wochen vorher gekauft hatte, habe ich sinnigerweise in Lindlar vergessen. Ich hatte aber keine Lust die 20 km wieder zurück zu fahren. So verließen wir uns auf die APP „Komoot“, die Andreas hatte. Im Vergleich zu Papier muss man die erst einschalten, dann sagen wo man hin will, dann warten bis sie weiß wo man ist, dann sagen das man die vorgeschlagene Strecke nicht gut findet und nochmal von vorn anfangen. Wenn es dann soweit war, sagte sie aber mit sanfter Stimme wo es lang geht. Unser Weg am ersten Tag ist auf der Karte links zu sehen. Ich habe ihn aus meiner Google- Zeitleiste kopiert. So gerade Strecken, wie Google sie darstellt, waren es eigentlich nicht.
Komoot führte uns im Zickzack durch Gladbach in Richtung Leverkusen. Jeder von uns hätte den Weg besser gewusst, aber wenn Komoot das sagt…. Unser erster Halt war in Hitdorf in einem Biergarten am Anleger der Rheinfähre. Die kühlen Getränke und den Snack hatten wir uns verdient. Danach ging es weiter nach Düsseldorf. Nachdem wir mitten durch die Stadt gefahren waren, konnten wir auf den Rheinterassen unser erstes kühles Bier geniessen.

Als alter Hase hatte Andreas schon Routine darin per Internet und Handy eine Unterkunft klar zu machen. Meine Bedenken, zu viert nichts zu finden, erwiesen sich als unbegründet. Wir machten was in Meerbusch-Nierst klar. Das waren noch ca. 14 km zu fahren. Über die Theodor-Heuss-Brücke fuhren wir auf die andere Rheinseite und dann durch Meerbusch. Das Gästehaus Kersting in Meerbusch-Nierst stellte sich als eine sehr gute Wahl heraus. Besonders das Frühstück ließ keine Wünsche offen.

Detlef und Andreas, sowie Mark und Frank teilten sich jeweils ein Zimmer. Wenn wir nun noch etwas zu essen hätten, wären wir restlos zufrieden. Frau Kersting empfahl uns den Gasthof zum Hasen. Keine schlechte Wahl, denn die Schnitzel und die Bratkartoffeln waren sehr lecker.


Gleich am ersten gemeinsamen Morgen stellte sich heraus, das wir unterschiedliche Morgen-Rituale hatten. Mark war immer als erstes auf den Beinen und genoß gern einen ersten Kaffee. Detlef hätte am liebsten bis mittag im Bett gelegen. Andreas tendierte eher zu Detlefs Gewohnheit, Frank eher zu Mark´s. So kam es morgens regelmäßig zu Geduldsproben. Der Vorschlag doch getrennt los zu fahren und sich später wieder zu treffen wurde aber immer verworfen. Die Karte zeigt unsere Strecke am zweiten Tag. Google hat sie wieder vereinfacht dargestellt. Wir sind z.B. durch Rheinhausen gefahren und nicht in gerader Linie nach Moers. Aber leider haben wir vor Moers den Rhein-Radweg verlassen und sind durch Moers gefahren. Dort waren wir aber auf der falschen Seite der Straße unterwegs, wie zwei höfliche Polizisten anmerkten. Der Spaß kostete uns insgesamt 20 € weil wir so nett waren. Sonst wäre das für jeden fällig gewesen. Man beachte die Überschrift „Kundenbeleg“. Hinter Moers haben wir uns wieder auf den Rheinradweg geschlagen.
In Orsoy fanden wir den Biergarten des Gasthauses Mütterlein einladend. Das Essen war gut, aber nicht so gut wie das am Abend zuvor. Wir fuhren noch bis zum Hotel-Restaurant Wacht am Rhein in Wesel-Büderich. Eigentlich wollten wir nur was trinken und dann weiter, aber da Regen aufzog entschlossen wir dort zu übernachten. Wir buchten wieder zwei Doppelzimmer, die jeweils über 90 € kosteten. Das Hotel kann mit Geschichte auftrumpfen. Am Ende des zweiten Weltkriegs waren Winston Churchill zusammen mit Dwight D. Eisenhower und Bernard L. Montgomery Gäste und blickten auf den Rhein. Frank musste sich einen Whisky gönnen als er erfuhr das daß Haus in der Talstraße dem Hochwasser zum Opfer gefallen war. Während wir durchaus gutes Wetter hatten, regnete es im Bergischen seit Tagen.

Hochwasser in der Talstraße 





Wie gesagt, konnte nichts mit dem Frühstückstisch im Gästehaus Kersting mithalten. Aber man konnte auch nichts an dem Frühstück in der Wacht am Rhein aussetzen. Wir hatten wieder Sonnenschein und blauen Himmel. Frank hatte schon am Abend mit Marion telefoniert. An den Schäden, die das Hochwasser angerichtet hatte, konnte er nichts mehr ändern. Deshalb brach er die Tour nicht ab. Der Weg führte uns über die Bislicher Insel, einer Auenlandschaft mit vielen Vögeln. Besonders Störche fielen uns auf.
Kurz vor Xanten kamen wir an einen See, den Xantener Südsee. Die Sonne schien und eine Abkühlung war willkommen. Spontan gingen wir schwimmen.
Leider sind Selfies, die mit Franks Smartphone gemacht wurden, immer etwas trübe.
An dem See entdeckten wir eine Freizeitanlage mit Wasserski. Andreas und Detlef wollten das unbedingt machen. Wir blieben ein paar Stunden und hatten viel Spaß. Andreas war schon mal Wasserski gefahren, für Detlef war es das erste Mal.
Am Xantener Nordsee vorbei fuhren wir in Richtung Rees. Xanten und die beiden Seen sind wirklich schön. Auf dem Nordsee waren viele Segler und wir kamen an einem Campingplatz vorbei. Nach Rees mußte man mit einer Fahrrad-Fähre übersetzen.
In Rees suchten wir eine Unterkunft aber wir hatten kein Glück. Erst mit dem Hotel Doppeladler in Haldern hatten wir Erfolg. Haldern kennt man vor allem wegen des Pop-Festival. Im Doppeladler haben wir gut gegessen. Wieder teilten sich Detlef und Andreas und Mark und Frank ein Zimmer. Da es inzwischen schon spät geworden war, haben wir sonst nichts mehr gemacht.

Unsere vierte Etappe führte uns bis nach Holland. Auf dem Weg von Haldern nach Emmerich trafen wir einen Händler für E-Bikes aus China. Er gab uns Kaffee aus und wir durften Probefahrten machen. Mark und Frank waren ja mit Pedelecs unterwegs und Detlef hatte geschäftlich gerade einen guten Deal gemacht. Trotzdem konnte er sich nicht durchringen eins zu kaufen, obwohl er ziemlich angetan war. Kurz hinter Emmerich ist man dann auch schon in Holland. In Tolkamer suchten wir nach einer Unterkunft. Es war aber Wochenende und die Suche blieb erfolglos. Es gab eine Promenade mit Blick auf den Rhein. In einem Lokal haben wir was gegessen.
Da wir keine Unterkunft in Tolkamer und Umgebung fanden, stand nun eine Entscheidung an. Wir konnten weiter in Richtung Rotterdam fahren und mit dem Zug zurück nach Hause oder den Rückweg mit dem Rad machen. Wir entschieden uns für letzteres, auch weil Andreas eine Unterkunft in dieser Richtung fand. Da uns die Optionen ausgegangen waren, schreckte uns auch nicht, daß es ein katholisches Tagungszentrum war. Um zur Wasserburg Rindern zu kommen mussten wir wieder mit einer Fahrradfähre auf die andere Rheinseite.


Wie eine Wasserburg sah das Tagungszentrum zwar nicht aus, aber die Lage an einem See war schon nett. Ausser uns war nur noch eine Gruppe Frauen da, die genauso wirkten, wie unser eins sich Besucher einer katholischen Tagungsstätte vorstellt. Auf dem See konnte man mit geliehenen Ruderbooten fahren und es gab sogar Abendessen. Die Zimmer waren ruhig, die Betten gemütlich und es gab einen Schuppen für unsere Räder. Abends konnte man Fernsehen in einem Fernsehraum. Wir haben dort Skat gespielt. Getränke konnte man sich einfach aus einem Kühlschrank nehmen und in eine Liste eintragen.

Auf der fünften Etappe zog es uns wieder nach Xanten. Dort hatte es uns gut gefallen obwohl wir bisher nur den Südsee und die Wasserskianlage besser kannten. Der Radweg am Rhein entlang war schön. Wir machten Halt im Lokal „de Deichgraf“ in Kalkar – Grieth. Von dort aus machte Andreas unsere Unterkunft in Xanten klar.

Das Xotel in Xanten liegt ziemlich zentral. Frank und Mark hatten Einzelzimmer, Detlef und Andreas teilten sich ein Doppelzimmer. Einige versuchten ein wenig mit der Besitzerin zu flirten, die in unserem Alter ist. Anschließend gingen wir ins Zentrum etwas essen. An dem Abend war das Endspiel der Fussballeuropameisterschaft. Der italienische Wirt hatte unsere Symphatien. Italien hat dann auch gewonnen. In der Nacht zog es Detlef nach draussen. Im Zimmer war es ihm zu laut – das will schon was heißen. Vor dem Zimmer war eine Terrasse mit Sitzecke die halbwegs gemütlich war. Morgens waren Mark und Frank in einer Metzgerei mit Sitzecke frühstücken während die beiden anderen noch träumten.

Der sechste Abschnitt unserer Tour fühlte sich schon wie Rückweg an. Wie an unserem ersten Tag würden wir über 70 km weit fahren. Der Radweg war aber schön und das Wetter spielte mit. Wir kamen wieder durch das Gebiet der Bislicher Insel und am Sender Wesel, einem Funkturm aus Stahl, vorbei. Wieder machten wir in Orsoy halt. Im Orsoyer Hof gab es natürlich Rahmschnitzel und Bratkartoffeln. In Uerdingen fanden wir eine Art Strandbar. Da war schon klar, daß wir wieder im Gästehaus Kerstling in Nierst übernachten würden. Diesmal hatten Mark und Frank Einzelzimmer. Im Biergarten des Haus Baumeister im Nachbarort Lank tranken wir noch was.

Der siebte Tag fühlte sich nicht nur wie der Rückweg an, er war es. Immerhin konnten wir noch das tolle Frühstück im Gästehaus Kersting genießen. Wir hätten noch trocken losfahren können, aber manche schlafen halt lieber länger. Der Regen hätte uns aber sowieso eingeholt. Mit dieser Aussicht beschlossen wir ab Düsseldorf mit der Bahn zu fahren. Google stellt das schön mit unterschiedlichen Farben dar. Der Fahrkartenautomat machte uns das Leben nicht leicht, aber nach ca. 27 Versuchen hatten wir die wohl die richtige Fahrkarte. Die Kontrolle im Zug hatte jedenfalls nichts zu meckern.

In Gladbach trennten sich unsere Wege. Insgesamt 293 km sagt Google. In Wahrheit aber mehr, denn gerade Linien sind wir selten gefahren. Frank fuhr über Bensberg nach Lindlar weil das einfacher ist. Die anderen haben beim Hetzenegger noch was zusammen gegessen.
Die Tour hat uns richtig Spaß gemacht. Wir haben schon Ideen für 2022 und auf „Bergeraff is jood“ gab es auch den Vorschlag einer Herbsttour. Frank hat dafür leider keinen Urlaub mehr übrig. Das Video ist ein Zusammenschnitt der Tour.
Für 2022 haben wir verschiedene Ideen z.B. eine Tour durch die Berge nach Italien oder diesmal wirklich den Dortmund-Ems-Kanal entlang bis ans Meer oder – mal was ganz anderes – eine Bootstour mit einem Hausboot.
Das war unsere Radtour 2021




































